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WAZ Herne & Wanne-Eickel Montag, 08. April 2013

WAZ Herne & Wanne-Eickel Montag, 08. April 2013

04.04.2013 - 20:14 Uhr

Perfektes Jazz-Erlebnis

Herne -  Zum „Underground Jazz-Special“ hatten „Patric Siewert & Friends“ am Freitagabend in die Flottmann-Hallen in Herne geladen. Die Besucher wurden nicht enttäuscht.

Der Herner Bassist Patric Siewert ist in vielen Stilrichtungen zu Hause. Seit fünf Jahren hat er sich mit regelmäßigen Konzerten in Herne einen Namen gemacht, die er unter den Titel „Underground Jazz“ fasst. Der E-Bass einmal im Vordergrund: Im „Underground Jazz-Special“ gab es am Freitag allerlei Merkwürdigkeiten rund um das Instrument. Allen voran Roland Kaschube: Er führte in einer Solo-Performance den staunenden Zuschauern einen E-Bass mit vier Hälsen vor, darauf spielte Patric Siewert gleich in zwei Formationen.

Der gut gelaunte Siewert war bei Flottmann zunächst mit Schlagzeuger Wilm Flinks und Gitarrist Thorsten Schwarz im rockenden „Patric Siewert Trio“ zu hören. Die Band verwandelte sogar Coltranes „Giant Steps“ in einen „straighten“ Groove. Das solide Handwerk der Band nutzte Siewert als Fundament für Improvisationen im sehr tiefen Frequenzbereich.

Sehr stolz präsentiert Siewert seine Formation „Die Zeitgenossen“ und riss mit Modern Jazz das Publikum mit. Die packende Jazz-Harmonik in Siewerts Improvisationen fasste Pianist Philipp Rüttger in einen Retro-Sound auf dem E-Piano ein, und sorgte damit für ästhetische Feinabstimmung und mitreißende Läufe.
Bassist als „Bank“ und Freund

Pudelwohl fühlte sich Bassist Siewert sichtlich an der Seite von Schlagzeuger Matthias Brödel. Das Publikum konnte hautnah mitverfolgen, wie zwischen den Musikern eine Eigendynamik entstand. Während Brödel den Bassisten „die Bank an meiner Seite“ nannte, war dieser für Siewert schlicht „mein aller bester Freund“. Tatsächlich zog der präsente Rhythmus des Genies am Schlagzeug einfach alles mit sich mit – geistreiche Improvisationen der Bandkollegen, modale Jazzpassagen, sogar die im Takt nickenden Köpfe des Publikums.

Flinke Hände, ein mörderisches Gespür für Rhythmus und ein guter Draht zum Drummer – so machte Siewert das Jazz-Erlebnis am Ende des Konzertes perfekt. Ein vielseitiger Bassist, bei dem knackige Rockmusik ebenso zum Erlebnis wird wie elaborierter Jazz von Herbie Hancock.

(Nina Schröder)